Mamas Stories
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Checkliste für das Wochenbett – Besorgungen, Erfahrungen und viel Blut?

Wem die Begriffe Blut, Wochenfluss, Stuhlgang und Dammriss zu viel sind, der möge bitte diesen Artikel überspringen. Ich möchte versuchen die Dinge beim Namen zu nennen und damit mir selbst und vielleicht auch der einen oder anderen werdenden Mama die Scheu davor nehmen, offen über die Themen zu sprechen.

Als das Wochenbett bezeichnet man die ersten sechs bis acht Wochen nach einer Geburt. Ganz egal wie diese Geburt verläuft, sind die Auswirkungen auf den Körper der Mütter auch unterschiedlich stark ausgeprägt. Ich halte nicht viel davon diese Zeit zu sehr zu romantisieren. Es gibt viele unangenehme Aspekte. Aber wenn man gut vorbereitet ist, dann kann man diese ersten Wochen mit Baby durchaus genießen und bekommt die ersehnte Kuschelzeit!

Hebammen empfehlen die ersten sechs Wochen mit Baby im Bett oder auf der Couch zu verbringen. Die wenigsten meiner Freundinnen haben dies auch tatsächlich durchgehalten. Auch ich wollte nach der Geburt doch liebend gerne endlich mal einen Spaziergang mit dem neuen Kinderwagen machen und der ganzen Welt mein Glück zeigen. Ich war auf dem Geburtstag meiner besten Freundin und hätte am allerliebsten auch alle Einkäufe und Kochaktionen wie üblich einfach weitergemacht.

Besonders in den ersten Wochen kann der Körper da aber sehr schnell und heftig reagieren. Verstärkte Blutungen, Fieber, Schüttelfrost, Depressionen, Milchstau und Co. holen einen dann schnell wieder auf den Boden der Tatsachen. Dann ist man gezwungen zu liegen und hat noch weniger Kraft als vorher. Daraus habe ich damals schnell gelernt und werde dieses Mal nicht erneut die „aktive moderne“ Mami sein, das hat Zeit bis nach dem Wochenbett. 😉 Erstmal werde ich die Kuschelzeit und das Recht auf Ruhe und Entspannung voll und ganz auskosten!

Mir wurde nach der Geburt des kleinen Münsteraners schlagartig klar, was mein Körper alles durchmacht im Wochenbett. All die Veränderungen, die die neun Monate Schwangerschaft in mir vollzogen hatten, sollten jetzt innerhalb weniger Wochen „rückgängig“ gemacht werden.

Dafür sorgte der plötzliche Abfall der Hormone und die Nachwehen halfen kräftig mit. Der Wochenfluss reinigte die Gebärmutter und die Brüste arbeiteten auf Hochtouren, um die notwendige Milch zu produzieren. Auch wenn ich das Wochenbett und die damit verbundenen vielen Kuschelstunden sehr genossen habe, weiß ich heute, dass ich meinen Körper einige Male überfordert habe. Dieses Mal bin ich schlauer und werde mich bewusster vorbereiten. Schließlich braucht mich jetzt neben dem Baby auch mein großer kleiner Münsteraner!

Die aktive Hilfe durch die FamilienlotSinn zu sichern, war der erste Schritt dieser Vorbereitungen. Jetzt geht es daran ein paar Besorgungen zu machen und Gespräche mit dem Liebsten und anderen nahestehenden Erwachsenen zu führen.

Dafür habe ich mir eine Checkliste für das Wochenbett erstellt und teile diese gerne mit euch. Genau wie die Checkliste für die ambulante Geburt von letzter Woche, könnt ihr auch diese Checkliste für das Wochenbett wieder als PDF runterladen, ausdrucken und abhaken!

Ich weise aber auch nochmal darauf hin, dass ich keine Hebamme bin und auch sonst keinerlei medizinische Ausbildung habe. Meine Erkenntnisse rühren einzig und allein aus persönlichen Erfahrungen und den Gesprächen mit Hebammen, Ärzten und anderen Müttern.

Wochenfluss

Der Wochenfluss ist anders als die normale Regelblutung sehr stark und manchmal auch klumpig. Es löst sich halt viel Gewebe, das in den letzten Monaten angelegt wurde, und jetzt raus muss. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Wochenfluss oft schwallartig austritt und da muss er dann gut aufgefangen werden können, sonst ruiniert man unter Umständen liebgewonnene Textilien.

  • Pelzy Vlieswindeln, haben sich mit ihrer starken Saugleistung bewährt. In den ersten Tagen braucht man unter Umständen immer gleich zwei drei Stück auf einmal, also ruhig einen Vorrat von zwei Packungen besorgen. In den Drogeriemärkten findet man die Pelzy günstigerweise direkt bei den Babywindeln und nicht bei den üblichen Damenbinden. Für den Fall, dass der Mann für Nachschub sorgen muss, ist diese Zusatzinfo ganz nützlich…
  • Wenn Frau nicht gerade riesige Oma-Schlüpper zuhause hat oder unnötig viel blutige Wäsche produzieren möchte, dann greift sie wahrscheinlich wie ich liebend gern auf Einweg-Slips zurück. In den Drogeriemärkten gibt es aber meist nur die aus Papier, die oft schon bei dem Versuch sie aus der Verpackung zu pulen reißen. Ich habe mir dieses Mal die Wöchnerinnen-Panties aus Netz bestellt. Diese bekommt man auch im Krankenhaus nach der Geburt. In manchen Krankenhäusern bekommt man ausreichend viele bei der Entlassung mit nach Hause, in vielen Kliniken aber leider nicht und bei einer ambulanten Geburt im Geburtshaus sowieso nicht. Vielleicht lohnt es sich vor dem Kauf einfach mal nachzufragen. Eine Packung reicht übrigens erstmal, denn man kann, wenn man möchte die Netze auch einfach mit der Hand schnell auswaschen und sie so mehrmals verwenden.

Dammriss

Auch ohne Riss ist man oft nach einer Geburt im Intimbereich geschwollen und wund. Nach einem Riss wird üblicherweise genäht und damit wird jeder Stuhlgang in den Wochen nach der Geburt endgültig zu einer Herausforderung. Sicherlich kann man mit der richtigen Ernährung dafür sorgen, diesen Bereich nicht zu sehr zu strapazieren. Stichwort: Ballaststoffe! Kühlung und Hygiene sollten dennoch sehr hoch gehalten werden und sorgen für eine schnellere Linderung der Beschwerden.

  • Eine Spritzflasche kann einem zum Beispiel das fiese Klopapier ersparen. Ich kann euch sagen, egal als wie weich das Papier angepriesen wird, wenn man wund ist, fühlt es sich nach Folter an. Sitzbäder und Waschungen in der Badewanne oder unter der Dusche sind natürlich auch gut, aber mit Baby ganz allein manchmal einfach nicht umsetzbar.
  • Diese Kompressen können wunderbar kühlend und abschwellend wirken. Eine echte Wohltat auch wenn man gar nicht gerissen ist, sondern nur wund und geschwollen. Man trägt diese Kompressen nicht ständig, aber wenn es mal besonders unangenehm ist oder man sich etwas Gutes tun möchte, dann sind diese Helferlein besonders zu empfehlen! (Gibt es auch für wunde Brustwarzen, habe ich aber noch nicht probiert.)

Stillen

Beim Stillen können viele verschiedene Probleme auftauchen. Je nach Brust und Milchbildung und vor allem nach Kind. Ganz ganz viele Probleme lassen sich mit kleinen Hilfen schnell beheben und sollten auch von Hebamme oder Stillberaterin geklärt werden können. Aber manchmal ist man selbst der beste Experte und hat es im Gefühl, wo das Problem liegt, dann hilft ein schnelles Trial and Error schnell aus der unangenehmen Situation. Dennoch sollte einem klar sein: Stillen ist erst richtig schön, wenn man sich an den ungewohnten Druck in der Brust und dem Ziepen und manchmal Kauen an den Warzen gewöhnt hat!

  • Zur Vorbereitung kann man bereits einige Tage vor der Geburt anfangen die Warzen mit Garmastan Salbe einzucremen. Ich nennen diese wegen ihrer Farbe auch Schlumpfsalbe. Sie hilft die empfindliche Haut der Warzen auf die Belastung vorzubereiten und so Wunden und Risse während der empfindlichen ersten Tage vorzubeugen. Diese kann man auch in der Stillzeit weiterverwenden, muss aber darauf achten sie vor jedem Stillen abzuwaschen!
  • Als Alternative zu Garmastan gibt es in den Drogeriemärkten auch Wollfette wie Lanosin, Lansinoh etc.
  • Wenn man eher flachere Brustwarzen hat, können Stillhütchen Wunder bewirken! Das Trinken wird für den Säugling einfacher und somit der Druck auf die Warzen für die Mutter besser auszuhalten. Diese gibt es in vielen Größen und Ausführungen. Am besten lässt man sich mal in einer guten Apotheke welche zeigen und beraten.
  • Es ist sehr gut in der Stillzeit immer Weißkohl im Haus zu haben. Nicht zum Essen, aber zum Kühlen der Brüste. Es wird Zeiten geben, da ist das Angebot an Milch höher als die Nachfrage durch das Baby und wer dann heiße Brüste bekommt, sollte schnell kühlend reagieren, um einem Milchstau und Entzündungen vorzubeugen. Dafür nimmt man einfach pro Seite zwei drei Weißkohlblätter, legt sie auf ein Brett und haut mit Nudelholz/Pfanne o.ä. ein paar Mal drauf um die Fasern zu zerstören. Dann schnell auf die Brust, bevorzugt auf die heißen Stellen und eventuell mit Mulltuch oder BH festklemmen. Ja, es riecht und ja man möchte damit nicht draußen rumlaufen. Aber so lange lässt man die auch gar nicht drauf. Wenn die kühlende Wirkung nachgelassen hat, kann man die Blätter entsorgen. Das Ganze mehrmals am Tag wiederholt hilft sehr kostengünstig!
  • Eine kleine Flasche Retterspitz im Kühlschrank hilft nicht nur bei Prellungen und Schwellungen, sondern auch beim gefürchteten Milchstau! Einfach Stilleinlagen damit beträufeln und in den BH damit. Das Zeug ist ein tolles Präparat, das auf natürliche Weise die Entzündung aus der Brust zieht und Schlimmeres vermeidet. Also, wenn man die ersten Anzeichen eines Milchstaus (Schmerzen bei Druck auf der Brust, harte Brüste, Temperatur und Mattigkeit) an sich erkennt, muss man schnell reagieren und die überflüssige Milch loswerden. Danach einen Retterspitz-Wickel oder die getränkten Retterspitzeinlagen und ab ins Bett! Das hat mich einige Male gerettet. Den Rest der Flasche haben wir auch nach der Stillzeit gut nutzen können, denn das Mittel ist sehr vielseitig. Auf der Webseite kann man die verschiedenen Anwendungsgebiete nachlesen.
  • Stilleinlagen erwähne ich nochmal extra, denn diese gibt es auch z.B. bei DM aus Stoff. Da ich die Einwegstilleinlagen gerade im Sommer als sehr unangenehm empfunden habe, waren diese waschbaren eine gute Alternative. Auch für die Retterspitz Anwendungen, haben sie sich hervorragend geeignet.

Ernährung

Ernährung ist im Wochenbett kein einfaches Thema. Ich habe in den ersten Wochen mit dem kleinen Münsteraner oft vergessen zu essen und dann furchtbare Hungerattacken mit viel zu viel Essen bekämpft und so unverhältnismäßig zugenommen. Manche meiner Freundinnen haben ganz rapide abgenommen, weil sie dann gar nicht mehr gegessen haben und oft war da nicht mal das Baby Schuld daran, sondern ein leerer Kühlschrank! Anders als vor der Schwangerschaft, ist low carb in den ersten Wochen nach der Geburt nicht ausgewogen genug!

  • Brot, Kartoffeln und Nudeln sind gute Kohlenhydrat-Lieferanten und desto hochwertiger und mehr Vollkorn, desto besser sättigen sie und versorgen einen mit Kraft. Der Geschmack sollte aber natürlich nicht auf der Strecke bleiben!
  • Malzhaltiges wie Malzbier, Ovomaltine, Landkaffee etc. regt die Milchbildung an
  • Energieriegel sind gut, wenn man absolut gar nicht dazu kommt sich etwas zu essen zu machen. Danach kann man auch gut während des Stillens bei einem akuten Schwächeanfall mal greifen 😉
  • Maisbarthaartee von der Mutter getrunken, hilft der Leber des gestillten Babies gerade in den ersten Tagen, um die Neugeborenengelbsucht loszuwerden. Schmeckt übrigens wie flüssiges Popcorn!
  • Studentenfutter und Beeren sind gute Mittel gegen Heißhunger
  • Selbstgemachte Tiefkühlkost, bereits in der Schwangerschaft habe ich einige Portionen unserer Lieblings-Bolognese und der liebsten Fleischbällchen eingefroren. Ich werde jetzt noch ein bis zwei Nudel-Aufläufe vorbereiten in denen hauptsächlich Gemüse steckt. Somit sind wir die ersten Tage auf jeden Fall schon ausreichend versorgt.
  • Stillkugeln kann man super vorbereiten. Das sind kleine Getreide-Energie-Snacks. Es gibt sehr unterschiedliche Rezepte im Netz, da findet ihr sicher etwas das euren Geschmack trifft.

Haushalt und ältere Geschwister

Bereits in den letzten Wochen vor der Geburt klären wir, wer meine Aufgaben im Haushalt und bei der Betreuung des kleinen Münsteraners in den ersten Wochen nach der Geburt übernehmen wird, damit ich nicht in Versuchung komme, doch wieder mehr zu machen, als meine Kräfte zulassen. Dabei stehen mir der Liebste, die FamilienlotSinn, eine liebe Nachbarin und die vier Paten der Kinder helfend zur Seite.

  • Staubsaugen, die Wäsche und den anfallenden Einkauf erledigt der Liebste
  • Er bringt auch den kleinen großen Münsteraner ins Bett und fährt ihn zur Kita und zurück, da wird die FamilienlotSinn aber auch mal einspringen, wenn der Liebste länger arbeitet
  • Die Bäderreinigung übernimmt die FamilienlotSinn und räumt wenn nötig im Wohnbereich und in der Küche auf. Außerdem springt sie bei der Betreuung des großen Bruders mit ein, während wir im Geburtshaus sind
  • Die Nachbarin holt den großen Bruder bei Bedarf zum Spielen ab oder kuschelt mal das Baby, falls es sich wie der kleine Münsteraner zwischendurch nicht ablegen lässt. So kann ich auch mal spontan duschen oder ein kleines Nickerchen machen, wenn die FamilienlotSinn nicht da ist und alle anderen arbeiten
  • Die Paten bringen hoffentlich wie die Großeltern Essen, Kuchen etc. selber mit, wenn sie kommen. Wenn sie Zeit haben nehmen sie uns auch mal den kleinen Münsteraner ab, damit er etwas unternehmen kann wie Zoo- oder Spielplatzbesuche und wir ein wenig Zeit mit dem Neuankömmling als Paar haben.

Wir sind in der glücklichen Lage viele Hilfsangebote bekommen zu haben und ich werde sie dieses Mal sicherlich auch nutzen und sei es, dass mir jemand was von Windel-LKW mitbringt oder mal für uns einkaufen geht. Es soll nicht alles am Liebsten hängen bleiben. Er braucht neben der Arbeit ja auch Zeit und Gelegenheiten für beide Kinder da zu sein und die Umstellung auf die neue Situation zu verarbeiten.

Ich hoffe, meine Erfahrungen und Tipps helfen auch anderen werdenden Mamis weiter. Wenn ihr Tipps und Ergänzungen habt, oder mir von euren Wochenbett-Erfahrungen berichten mögt, freue ich mich sehr über Kommentare!

Eure Münstermama

6 Kommentare

  1. Andrea sagt

    Danke für die lieben Tipps – wie du bereite ich mich ja langsam auch auf Geburt und Wochenbett der zweiten Münsteranerin vor 😉 etwas später als bei euch, aber hoffentlich nicht mehr ewig!
    Ich hab im Krankenhaus zur Kühlung des dammschnitts/Intimbereichs Binden bekommen die in Kamillentee getränkt waren und dann eingefroren waren – im ersten Moment immer ein kleiner Schock, aber dann Super angenehm!!! Kann man für zu Hause auch gut selber machen…Kamillentee kochen, abkühlen und etwas auf die Binde geben, wegfrieren und bei Bedarf nutzen!!!
    Wünsche euch eine wunderschöne Geburt und hoffe, dass alles so klappt wie ihr 4 es euch wünscht!!!
    Andrea

  2. Vielen vielen Dank für diesen Beitrag!
    Das sind wirklich Dinge, die einem vorher sonst niemand erzählt.
    Puh, ich hoffe das es bei uns dann auch so entspannt abläuft. Ich denke aber das vor allem der Punkt „entspannen und nicht zu viel machen“ richtig schwer wird.
    Viele Grüße
    Sabrina

  3. srnn sagt

    hey,

    super Artikel! werde ihn gleich einer schwangeren Freundin empfehlen. nur: stillhütchen länger als ein, zwei Tage in Gebrauch führen bei ca. der Hälfte der Frauen zu einem sehr langsamen, kaum merklichen Rückgang der milch! ergänz das doch bitte noch als Warnung! im schlimmsten Fall bekommt das baby sonst nach ein laar Wochen plötzlich zu wenig!
    Gruß,
    srnn

    • Muenstermama sagt

      Danke für deinen Beitrag! Die Stillhütchen sind immer nur für wunde und schwierige Phasen und nicht für Dauereinsätze gedacht, da hast du wohl Recht!

      • Ich sehe und habe dieses übrigens anders erlebt.
        Ich musste (!) mit Stillhütchen stillen, sonst hätte es gar nicht funktioniert (und ja wir haben es oft genug anders probiert).
        Grundsätzlich bin ich der Meinung am besten die eigene Hebamme um Rat zufragen. Unsere damals sehr erfahrene Hebamme hat meine Befürchtungen diesbezüglich ausgeräumt und uns gut beraten. Die Hebamme empfahl zu beobachten, ob das Kind satt würde und im Rahmen zunahm, dann ist auch das Stillen mit Brusthütchen kein Problem.
        Also wie eigentlich alles im Leben gibt es kein Schwarz oder Weiß, sondern man sollte sich seinen eigenen Begebenheiten anpassen und sich mit der eigenen Hebamme beraten, die kennen einen und können gezielt beraten und etwas raten.

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