Mamas Stories
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Das erste Jahr mit Baby – Wie es für uns war und meine Gedanken zur Doku „Schlaflos durchs erste Jahr“

Vor ein paar Tagen lief der Film „Schlaflos durchs erste Jahr“ im ZDF in der zwei Paare Einblick in ihr Leben im ersten Jahr mit Babys gaben. Wenn ihr sie noch nicht gesehen habt, dann könnt ihr das online nachholen! Absolut empfehlenswert!

Es gibt auch schon von StadtLandMama zwei Stellungnahmen dazu und ich komme nicht mehr umhin auch meinen Senf dazuzugeben. Mich beschäftigt das Thema schon seit Tagen, denn die Sendung hat einige kontroverse Reaktionen hervorgerufen. Manche scheinen die Darstellung des ersten Jahres mit Baby als übertrieben negativ zu empfinden. Einige finden ihn sogar abschreckend. Andere machen den Familien Vorwürfe nicht richtig gehandelt zu haben oder halten sogar die gezeigten Impfungen für Körperverletzung. Jeder weiß es mal wieder besser.

Das ist mir aus eigenen Erfahrungen nicht unbekannt. Es gibt in meinem Umfeld auch Mütter, die denken ich sei zu überbehütend, weil ich mein Kind nicht ohne Helm aufs Laufrad lasse. Aber genauso gibt es Mütter, die mich als zu „kalt“ empfinden, wenn ich meine Kinder nach einem Jahr in eine Kita gebe, um wieder ins Büro zurückzukehren. Ich bin also eine eiskalte Glucke…

Daraus wird aber auch eines sehr deutlich: Jeder empfindet es anders und jeder muss für sich und sein Kind die passenden Entscheidungen treffen.

Mein erstes Jahr mit dem kleinen Münsteraner war im Rückblick ganz wundervoll. So habe ich es erstmal in Erinnerung, denn man erinnert sich nach so einem Jahr hauptsächlich an die vielen wunderbaren Momente. Das erste Lächeln, Rollen, Robben und Krabbeln, der erste Urlaub, der erste Brei, der erste Schnee. Das sind alles traumhaft schöne Momente gewesen und es gab auch im Alltag ganz viel davon, denn die Entwicklungssprünge, die im ersten Lebensjahr eines Menschen ablaufen sind enorm. Ich werde ganz rührselig, wenn ich daran denke und kann es kaum erwarten, das erste Jahr mit Nr. Zwei zu starten!

Aber wenn ich die Fotos und Tagebucheinträge von diesem ersten Jahr mit Kind durchblättere, fällt mir auch einiges andere wieder ein…

Wie er z.B. die ersten acht Wochen fast ausschließlich auf meiner Brust lag und nur geschlafen hat, wenn ich dabei saß.

Wie er in den von Bauchweh gequälten Nächten schrie und wir verzweifelt versuchten ihm Linderung zu verschaffen und zur Ruhe zu kommen.

Wie ich einen üblen Magen-Darm Infekt mit Fieber und allem Drum und Dran bekam und gleichzeitig das Kind versorgen musste, weil mein Liebster sich nicht frei nehmen konnte.

Und natürlich hatte auch ich die Ängste nicht genug Milch zu haben und die Schmerzen beim ach so romantisch verklärtem Stillen.

Ich erinnere mich, dass ich im Winter oft sehr einsam war, denn bis auf die Termine mit anderen Müttern und einigen Mittagsdates mit Freundinnen, konnte ich mit dem Kleinen bei fiesem Wetter wenig machen. Ich vermisste oft den Kontakt zu Erwachsenen und manchmal auch die geistigen Herausforderungen des Berufslebens. Schließlich wird man ja nicht zu einem neuen Menschen, wenn man Mutter wird und Hausarbeit war merkwürdigerweise für mich nicht attraktiver geworden durch die Geburt des kleinen Münsteraners.

Ich dachte auch wieder an die Sorgen, dass er vielleicht in seiner Entwicklung verzögert sein könnte, weil er einfach keine Lust hatte zu krabbeln und erst mit 13 Monaten fast nahtlos vom Robben ins Laufen überging. Alle anderen Kinder aus unserer Krabbelgruppe waren zu dem Zeitpunkt schon total mobil und ich habe erst im Nachhinein auch Kinder kennengelernt, die sich noch deutlich länger Zeit liessen, als der kleine Münsteraner.

Aber in diesem ersten Jahr als Familie gab es nicht nur das Kind als Herausforderung. Wie bei den Familien im Film auch, lief unser Leben weiter und es gab so einige unschöne Zwischenfälle. So gab es viele Sorgen in der Familie, die mich lang belasteten. Zudem waren wir plötzlich Hausbesitzer und zogen in einen halben Rohbau. Das und meine aufgrund der fehlenden Betreuung zwangsverlängerte Elternzeit rissen natürlich auch ein gewaltiges Loch in unsere Finanzen. So ist das Leben, es stellt einen immer wieder vor neue Hürden, die es zu bezwingen gilt.

Und wir haben sie alle gemeistert! Wir haben unser Häuschen bezogen und nach und nach jeden Holperstein aus dem Weg geräumt. Wir haben mit unserem kleinen Münsteraner viel richtig gemacht und natürlich werden wir jetzt beim Zweiten einiges anders machen. Denn so ist es, wir haben uns trotz der Schwierigkeiten des ersten Jahres nochmal für ein zweites erstes Jahr entschieden! Weil es bereits beim ersten Mal die beste Entscheidung unseres Lebens war!

Natürlich mache ich mir auch dieses Mal wieder Sorgen…werde ich dem kleinen Münsteraner dennoch gerecht? Schaffe ich es ein weiteres Kind so sehr zu lieben? Was wird aus der Beziehung zu meinem Liebsten, werden wir es hinkriegen ein Liebespaar zu bleiben? Wie wird sich unsere finanzielle Situation ändern?

Aber eins sollte man sich immer klar machen: Man bekommt ein Kind geschenkt! Ein neues Leben, das die Welt auf ganz eigene Art bereichern wird und das eigene Leben auf ewig ändert. Es kann nach einer Geburt nicht so weitergehen wie vorher…und das würde ja auch gar keinen Sinn machen, oder?!

Um auf den Film zurückzukommen…ich finde gut, dass er so wenig geschönt hat am ersten Jahr mit Baby. Diejenigen, die das als wirkliche Abschreckung empfinden, sind vielleicht einfach noch nicht bereit für ein Kind. Ja, das erste Jahr ist furchtbar anstrengend! Man mutiert förmlich zu einer sehr müden Version von einem selbst. Aber man entscheidet sich schließlich für ein neues Leben, einen neuen Menschen, der einen braucht und ohne die Eltern völlig hilflos ist. Es ist ganz wunderbar so geliebt und gebraucht zu werden! Es macht einen unfassbar glücklich und stolz diese Zeit zu durchleben und zu sehen wie langsam ein Mensch mit Charakter und Persönlichkeit entsteht. Es ist das größte Geschenk ein Kind großziehen zu dürfen!

Ich bin dankbar für die Familien, die mutig genug waren durch das Filmteam begleitet zu werden. Zu verurteilen ist immer leicht. Wahre Größe liegt doch in der Einsicht, dass jeder von uns sein Päckchen zu tragen hat. Ich glaube fest daran, dass jedes Kind ein Geschenk ist für uns alle und wir den- oder diejenigen, die sich um dieses Kind mit all ihrer Liebe kümmern, dankbar sein sollten.

Welche Gefühle weckt der Film in euch?

Eure Münstermama

10 Kommentare

  1. Danke!!!
    Danke für so liebe Worte und deine Ehrlichkeit!
    Übermamas besitzen nämlich auch einen Facebookaccount und lesen wie böse andere Menschen über sie herfallen,nachdem sie einen fersehtauglichen minimalen Einblick in deren Leben erhalten haben…
    Durchaus sind wir (Oh ja,ich böser Mensch beziehe auch meinen Mann mit ein) uns in jeder einzelnen Sekunde darüber bewusst,welch unbeschreibliches Geschenk Noah ist, aber trotzdem ist nicht immer alles einfach, da wären wir unehrlich gewesen!
    Die Welt dreht sich weiter und wir möchten das Leben unseres Kindes so gestalten,dass es ihm niemals an etwas mangelt. Dazu gehört leider auch eine finanzielle Absicherung – für manche Menschen vielleicht nicht verständlich, für uns wichtig!
    Ein Satz noch zum „Übermamasein“- ich finde viele verwechseln da etwas…Einen kleinen Menschen zu lieben, Angst um ihn zu haben und alles dafür zu tun,dass es ihm gut tut, sollte das nicht die Aufgabe einer jeden Mama sein? Kann man „überlieben“? Ich finde nicht!!!

    • Muenstermama sagt

      Liebe Anne, danke für deine Reaktion hier! Ich freu mich sehr darüber und drück dich ganz herzlich! Du machst das alles toll und ich bin mir sicher Noah ist ein sehr glückliches Kind! Ihr hattet, wie alle anderen auch ein schweres Jahr und seid da auf eure Art gut durchgegangen! Manche wollen einfach nicht verstehen oder darüber nachdenken, dass auch so eine Doku – egal wie ehrlich und realistisch sie ist – nur einen kleinen Einblick, einen Ausschnitt zeigt und nie das gesamte Bild! Ihr seid ein tolles Paar, lasst euch davon also nicht ändern!

      • Vielen lieben Dank!
        Ja,einige Sätze gingen da schon unter die Haut – aber die Leute wissen es vielleicht nicht besser.;)
        Wer sich der Öffentlichkeit stellt,muss mit Kritik rechnen!

    • Hallo Anne, Ich finde es toll und mutig, dass ihr die Türen für die Öffentlichkeit geöffnet habt und dann auch die anstrengenden Seiten des Elternseins gezeigt habt. Nimm dir negative Kommentare nicht so zu Herzen! Ich habe mich in der Doku oft wiedergefunden (mein Kleiner ist bald 5 Monate alt) und das tut sehr gut! Vielen Dank dafür
      Liebe Grüße, Rosa

    • Liebe „Übermama“ Anne 😉 Ich bin auch so ne „Übermama“ und hab nach der Sendung nun Kontakt zu den Zwillingseltern-Protagonisten, nachdem ich bei „Stadt Land Mama“ über die Sendung geschrieben hatte. Hätte total Lust, mich auch mit Euch noch dazu auszutauschen. Wenn Ihr mögt, schreibt mir doch mal über Facebook. An mich, Lisa Harmann, oder an Stadt Land Mama. Würd mich sehr freuen. Liebe Grüße, Lisa

  2. Das ist toll! Das war es ja auch, was wir wollten! Keine Schwarzmalerei, denn so fühlen wir uns gar nicht.
    Man lernt anfangs so viele Mütter mit ihren „alles easy-Geschichten“ kennen, deren Fassade schon beim zweiten Satz bröckelt, da will man doch nicht auch so sein!
    300000Hormone bringen dich zum weinen, neue Situationen sind auch immer große Herausforderungen – aber deshalb nicht schlecht! Nicht eine Sekunde wollen wir mit Noah missen!

    • Simone sagt

      Für mich war es so ein spannender Beitrag, weil so gut rübergebracht wurde, wie sehr sich das Leben doch mit dem Kind ändert… Hätte ich so nicht gedacht, ist wundervoll – aber nicht immer leicht. Danke für den so persönlichen Einblick in des Elterndasein.

  3. Liebe Anne,

    das war so ein toller Film! Wir haben drei Kinder im Alter von 6 und 4 Jahren und die Kleine ist 9 Monate. Die Großen sind 20 Monate auseinander – das war irre!! Aber im Nachhinein kann ich sagen, mit jedem Kind wird alles einfacher. Ich bin jetzt für drei Jahre aus dem Beruf ausgestiegen und genieße es nun, mehr Zeit für die Kinder zu haben. Es ist so toll, das Lachen, das Weinen, die gegenseitige Liebe der Kinder erleben zu dürfen. Von daher verteile ich Mut für mehr Kinder. Die Kleine wird von den Großen so gut beschäftigt, dass ich sie kaum merke 😉

    Liebe Grüße, Bine

  4. Ich hab‘ die Doku noch nicht angeschaut, aber Deinen Bericht gelesen. Und ich erinnere mich – obwohl es schon echt lange her ist – daß die erste Zeit mit Baby grandios ist … und genauso schwierig. Soviel Liebe, soviel Unsicherheit … und das ganze Leben steht Kopf. Und immer gibt es Einen, der es besser weiß: Wie Du gehst nicht arbeiten? Was – jetzt willst du schon wieder in den Job einsteigen? Ist es nicht zu früh für Brei? Wann willst du denn endlich abstillen? … und so weiter.

    Wenn wir Über- und Rabenmütter, Glucken und Nestflüchter-Moms alle mit mehr Toleranz aufeinander zugehen würden, wäre so viel gewonnen. Einfach mal Jeden seinen eigenen Weg finden lassen und vielleicht sogar noch aufmunternde Worte sagen, wenn’s mal holprig ist. Das wär’s doch, oder?

    Beste Grüße von einer Teenager-Mutter (ich kann’s kaum fassen … wo ist die Zeit geblieben?!)
    soulsister aka Katrin

  5. Ich (noch kinderlos) habe die Doku damals bei der Erstaustrahlung gesehen und empfand sie vielleicht nicht unbedingt als abschreckend, aber eben doch ein wenig als negative Sichtweise auf das erste Kind. Es kam mir so vor, als ob gezielt nach Eltern gesucht wurde, bei denen erwartet wurde, dass es zu Stresssituationen kommt, die über das normale Gereiztsein durch kurze Nächte hinausgehen . Es ist mir klar, dass auch die Öffentlich-Rechtlichen für die Quote gerne Dokus mit Protagonisten zeigen wollen, bei denen nicht immer alles glatt läuft, aber teilweise war es mir wirklich zu persönlich. Zum Beispiel als die schlimme Erkrankung der Oma zum Thema wurde und viel Trauer über die junge Familie gebracht hat. Daraus hat sich natürlich auch ergeben, dass die schönen Momente mit dem Kind nicht so zur Geltung kamen. Allerdings darf man ja auch nicht vergessen, dass sich ohne diese Krankheit ein ganz anderes Bild ergeben hätte und das einzige Stresspotential hätte in wenig Schlaf, einer zu kleinen Wohnung und der Frage des Wiedereinstiegs der Mutter in den Job bestanden. Jedenfalls wäre viel mehr Raum für die Freude der jungen Eltern über ihr Kind gewesen.

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