Mamas Stories
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Der Brief

Ein paar Tage nach der Geburt unseres Sohnes, ich war gerade auf dem Weg nach draußen, entdeckte ich die Post im Briefkasten. Da der kleine Held auf meinem Arm war und ich dringend zum Bus musste, stopfte ich die Briefe ungesehen in die Wickeltasche und sprintete los.

Ein paar Tage später, ich war gerade dabei die Wickeltasche für unseren Ausflug umzupacken, fiel mir die Post wieder in die Hände. Die hatte ich ja ganz vergessen! Neben Werbung und einigen Glückwunschkarten war da auch ein Brief. Ein Brief mit einer sehr vertrauten Handschrift. Im ersten Moment habe ich die Handschrift gar nicht zuordnen können, sie war mir so vertraut und doch so ungewohnt mit meiner Adresse auf einem Briefumschlag. Kein Absender, nur ein schlichter Umschlag ohne Fenster und diese verwirrende Schrift.

Ich wartete bis der kleine Held eingeschlummert war, machte mir eine große Tasse Tee und setzte mich mit dem Brief an den Küchentisch. Als ich ihn öffnete war die Verwirrung noch größer, denn der Brief fing mit „Mein Liebling“ an…

Was in dem Brief wörtlich drin stand, kann ich euch natürlich nicht verraten, aber ich kann euch sagen, es war der schönste Brief, den ich jemals bekommen habe. Geschrieben hatte ihn ein Mann voller Vorfreude auf sein Kind, voller Liebe und Zuneigung und so erfüllt mit Glück, das ich noch lange nachdem ich ihn gelesen hatte, selig grinsend am Küchentisch saß.

Mein Liebster hatte in dem Brief aber auch seine Sorgen und Ängste mit mir geteilt und mir wurde zum ersten Mal bewusst, wie sehr auch ihn die Spannung in den letzten Wochen vor der Geburt ergriffen hatte. Dieser Brief hat mir einen Einblick in die Gedankenwelt meines Mannes geschenkt, den ich sonst nie bekommen hätte. Wir haben zwar in der Zeit viel geredet, aber irgendwie schien ich immer zu sehr mit mir selbst und dem Kind beschäftigt, um ihn richtig zu hören. Durch den Brief habe ich auf eine ganz andere Art der Kommunikation einen Zugang zu ihm finden können. Ich bin, auch zwei Jahre später, unendlich dankbar für diesen Brief.

Ein toller Mann, der solche Ideen hat, oder? Aber Ehre, wem Ehre gebührt (auch wenn mein Mann natürlich der Allerbeste ist): Die Idee stammt von unserer Hebamme, die mit uns den Geburtsvorbereitungskurs gemacht hat (Danke, liebe Britta!). Sie hat mit den Männern an einem Abend besprochen, dass sie Briefe einsammelt und kurz nach der Geburt der Kinder los schickt. Und alle Männer haben sich hingesetzt und Briefe geschrieben und wir Frauen haben alle überhaupt nichts davon mitgekriegt.

Jetzt, kurz vor dem zweiten Geburtstag, habe ich mir die Kiste mit den Erinnerungsstücken genommen und dabei ist mir wieder dieser Brief in die Hände gefallen und hat mich auch heute wieder meinem Mann ein Stückchen näher gebracht. Vielleicht ist es jetzt mal Zeit für einen Liebesbrief an meinen Mann?!

Eure Münstermama

Kategorie: Mamas Stories

von

Leila schreibt als Münstermama seit 2014 über Familie, Food und Reisen. Als Gründerin des Münsteraner Bloggernetzwerks MünsterBLOGS vermittelt sie Kooperationen und organisiert regelmäßig Bloggerevents.

2 Kommentare

  1. Eine wundervolle Idee und Erinnerung! Meist wissen wir ja gar nicht, was so rund um die Geburt in unseren Männern vorgeht.
    Liebe Grüße nach Münster, Sonja

  2. Was für eine wunderwunderschöne Idee! Ich hätte beim (erneuten) Lesen sicher ein paar Taschentücher in meiner Nähe gebraucht. Viele Grüße
    Gesa

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