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Der Kita-Navigator in Münster

Zum Ende des letzten Jahres bekamen alle Eltern mit kleinen Kindern in Münster einen flotten Flyer über das neue Projekt des Jugendamtes in Münster. Der „Kita-Navigator“ ist ein Online-Portal auf dem man schnell und bequem eine Übersicht über die in Frage kommenden Kitas bekommen sollte. Dass zu dem Zeitpunkt der Flyerversendung die Seite noch gesperrt war, erwähne ich nur am Rande. Seit dem 7. Januar 2014 hat man zumindest endlich mal Zugriff auf das Schätzeken.

„In Münster blieb die Klagewelle aus“

Zum besseren Verständnis sollte man wissen, dass es in Münster eigentlich eine ganz gute Quote an Kita-Plätzen auch für U3 gibt. Da haben es einige andere Städte sicherlich schwerer. Allerdings heißt es nicht, dass es für Eltern einfacher ist hier einen Platz zu bekommen. Die Richtlinien haben sich in den letzten Jahren sehr häufig geändert, die Kita-Leitungen sind teilweise schlecht informiert und selbst wenn man direkt neben der Kita wohnt, ein Prime-Example der Elternschaft darstellt und das Kind auch noch superlieb und gesund ist, ist es schwierig einen Platz zu bekommen. Einzige Ausnahme, wenn man bereits ein Geschwisterkind in der Wunschkita hat, wird man natürlich bevorzugt behandelt.

Wartelisten-Massaker

Das ganze Prozedere für Eltern mit Kleinstkindern konnte bisher richtig aufwendig sein. Bereits im Oktober/November des Vorjahres musste man sich in den Kitas um einen Termin zum Kennenlernen bemühen. Viele Kitas hatten bisher bis Ende Januar schon hunderte von Eltern auf ihren Wartelisten. Besonders schwierig schien der Ablauf bei privaten Betreuungsprogrammen zu sein, denn hat man erstmal die Leitung der betreffenden Einrichtung überzeugt, muss man dann auch noch die Verantwortlichen im Jugendamt davon überzeugen, dass man die „richtigen“ Eltern für diesen Platz ist. Das alles führt dazu, dass ein Großteil der Eltern aus Angst überhaupt keinen Platz zu bekommen, sich auf die Wartelisten aller auch nur im Ansatz in Frage kommenden Einrichtungen setzten lässt. Kein Wunder also, wenn es ellenlange Wartelisten gibt. Den Kracher hat eine Mutter in unserem Pekip-Kurs gebracht, die ihren Kleinen für über 40 (!!) Kitas „angemeldet“ hat. Diejenigen, die im Februar dann für die Gespräche eingeladen wurden, hatten schon fast gewonnen. Und diejenigen, die im April dann nur Absagen einheimsen, weil ihre Nase den Kita-Leitungen nicht gefallen hat oder weil sie nicht 10 Monate vor Kita-Beginn (in Münster immer im August) losgegangen sind oder kurzfristig umziehen mussten oder, die Liste lässt sich endlos fortführen, diejenigen jedenfalls können dann ja auch auf die Tagesmütter ausweichen…beschränkte Arbeitszeiten und erhöhte Kosten verschweigt man da besser bis zum letzten Augenblick. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Rettung in Sicht, oder doch nicht?

Mit dem Kita-Navigator soll der Dschungel ein wenig gelichtet werden und Eltern sollen die Möglichkeit bekommen sich ein erstes Bild von den Einrichtungen und ihren Kompetenzen zu machen, ohne mit Sack und Pack von A nach B nach C juckeln zu müssen. Man findet dort die Daten die man bisher auch auf den Seiten des Jugendamtes fand, jetzt zeitgemäß gelayoutet und rudimentär erweitert. Natürlich keine Fotos, erst recht nicht von Personen.

Die Termine für Vormerkphase, Gespräche etc. wurden vereinheitlicht. Das ist ja ein Fortschritt. Aber wird das auch so umgesetzt?

Statt Warteliste jetzt Vormerkliste, alles nur Augenwischerei?!

Und dann kommt der Clou des Kita-Navigators. Man kann sich direkt Online bei einer Kita „Vormerken“ lassen. Das macht es natürlich noch leichter, sich auf alle möglichen Wartelisten setzten zu lassen. Bedeutet aber auch, dass diese sogenannten Wartelisten weiterhin an Sinn verlieren. Denn wenn ein Platz frei wird, rücken natürlich nur diejenigen ins Blickfeld der Kita-Leitung, die ihm/ihr bekannt sind. Es werden weiterhin nur diejenigen eingeladen werden, die sich vorher schon persönlich vorgestellt haben. Wofür also das „Vormerken“ gut sein soll, bleibt ein Rätsel. Sieht aber gut aus.

Vertrauensbildung geschieht nicht im Netz, nützt aber auch nichts

Mit persönlichen Gesprächen, mit Hospitationen, mit Besuchen mit Kind in der jeweiligen Kita kann man ein Verhältnis zu den Erziehern aufbauen. Man kann sich gegenseitig beschnuppern und herausfinden ob es passt im Dreieck Eltern-Kind-Erzieher. Aber wie soll das umgesetzt werden? Wann sollten die Einrichtungen auch im normalen Kita-Alltag hunderte von Elternpaare einladen? Und was hätten die Eltern von dieser emotionalen Bindung, wenn das nicht eine Aufnahme in die Einrichtung gewährleistet?

Die Menschen kennenzulernen, denen man sein Kind anvertrauen möchte, steht für die Meisten noch weit vor der Frage ob eine bi-linguale Spielstunde angeboten wird oder sollte es zumindest.  Wie man mir aus erster Hand berichtete vertrauen deswegen auch die meisten Verantwortlichen in den Einrichtungen noch nicht auf die online entstandenen Vormerk-Listen, sie laden zu den alljährlichen Elterngesprächen im Februar/März weiterhin diejenigen ein, die sich frühzeitig (nicht erst am Tag der Offenen Tür) selbst vorgestellt haben.

Kontaktdatenbank

Damit sind die Infos im Kita-Navigator natürlich nicht weniger interessant, aber doch eben eher zweitrangig. Und für die Erleichterung einen Platz zu finden spielt der Navigator dann auch keine große Rolle mehr, denn aussuchen kann man seinen Platz immer noch nicht (Wäre eh nicht der idealste Weg). Für mich scheint der Navigator bisher nur eine hübsche Kontaktdatenbank, aus der man erste grobe Informationen über das Angebot im Stadtteil bekommt, zu sein. Vielleicht entstehen auf diesem Weg tatsächlich echte Kontakte auf die dann auch eingegangen werden kann

Alles in allem hätte ich gerne die Gelegenheit genutzt mit den Verantwortlichen für den Kita-Navigator zu sprechen. Um zu erfahren, wo der Weg hingehen soll, denn am Ziel sind sie wohl bisher noch nicht angekommen, das zumindest hoffen viele betroffene Eltern.

Ein langer Weg

Wir jedenfalls hoffen, dass der eingeschlagene Weg weitergegangen wird. Aber dafür fehlt in Münster vermutlich der Druck im Amt, denn die Quote sieht nett aus in unserer beschaulichen Stadt. Das ist sicherlich den vielen sich aufopfernden Kita-MitarbeiterInnen und Tagesmüttern zu verdanken und dem Engagement, das aus den Reihen der Eltern kommt.

So und bevor ich falsch verstanden werde, der Kita-Navigator ist eine gute Sache! Die Stadt scheint zumindest einen Teil des Problems erkannt zu haben und bemüht sich. Vielleicht sind auch schon weitere Schritte in der Entwicklung, wir lassen uns überraschen…

2 Kommentare

  1. Gutes Thema und vielen Dank für die Aufbereitung.
    Gruß Andreas

    kleiner Hinweis: der Link zum Kita-Navigator funktioniert nicht (404).

    • Muenstermama sagt

      Vielen Dank für den Hinweis, Andreas! Ich hab es direkt korrigiert. War der direkete Link zum Navigator aber anscheinend will die Stadt nicht, dass man da direkt hinkommt…man muss brav über die Jugendamtsseite 😉

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