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Ich hab ein Baby

113 Mütternotruf: „Mütternotrufzentrale, bitte legen Sie nicht auf…Hallo?“

Junge Mutter im folgenden Anna: „Hallo, Ich …eh…ich hab ein Baby.“

Notruf: „OK, ist da noch eine Person bei Ihnen?“

Anna: „Nein, ich bin allein. Äh, wir. Meine Tochter schläft.“

Notruf: „Und wann haben sie zum letzten Mal eine andere Person gesehen? War das heute?“

Anna: „Oh, mein Mann…ich glaub, heute Morgen?“

Notruf: „Noch irgendeine Person?“

Anna: „Ich glaub nicht. Naja, vielleicht den Briefträger? Aber durch die Rollladen. Zählt das?“

Notruf: „Ich befürchte nicht. (Pause) Ich werde sie jetzt bitten die Rollladen hoch zu machen, ok? Lassen sie uns versuchen etwas Licht hinein zu lassen.“

Anna: „Wieviel Licht? Meine Tochter ist gerade erst eingeschlafen!“

Notruf: „Wo genau befindet sich ihre Tochter gerade?“

Anna: „In ihrem Stubenwagen. Sie schläft zum ersten Mal im Stubenwagen.“

Notruf: „Nur ein klein wenig Licht reicht schon. Versuchen sie jetzt die Rollladen hoch zu ziehen. Nur ein Stückchen.“

Anna: „Ok. (Pause) Ich hab’s. (Pause) Es ist hell. Es fühlt sich so hell an!“

Notruf: „Das ist gut! So soll es sich anfühlen! (Pause) Ich muss sie jetzt bitten mir zu sagen, was sie anhaben, ok?“

Anna: „Mhm, naja, normale Klamotten halt.“

Notruf: „Hausklamotten oder Draußen-Klamotten?“

Anna: „Warten Sie, ich schau nach. (Pause) Schlafanzug. Ich trage noch meinen Schlafanzug. Hätte schwören können, dass ich mich heute umgezogen habe…dachte echt das wäre ein Jeans!“

Notruf: „Ist schon in Ordnung. Versuchen sie ruhig zu bleiben.“

Anna: „Moment, das ist noch nicht mal ein Oberteil. Ich habe nur meinen Still-BH an und eine Seite ist sogar offen. Ich mach ihn mal zu. Moment!“

Notruf: „Also nur eine Schlafanzughose? Kann ich davon ausgehen, dass sie heute noch nicht geduscht haben?“

Anna: „Ich weiß es nicht.“

Notruf: „Könnten sie für mich ins Bad gehen und fühlen ob ihr Handtuch feucht ist? Können Sie das machen?“

Anna: „Aber das ist in einem anderen Raum. Meine Tochter…“

Notruf: „Wenn ihre Tochter noch schläft, dann merkt sie gar nicht, dass sie kurz weg sind. Wir hören sie, wenn sie wach wird und kommen ganz schnell zu ihr zurück, ok? Schaffen sie das?“

Anna: „Ok. Ich versuch’s.“

Notruf: „Gut.“

Anna: „Ich gehe jetzt ins Bad. (Pause.) Ok, ich bin im Badezimmer und kann das Handtuch sehen…“

(unterdrücktes Schluchzen)

Notruf: „Ist alles okay?“

Anna: „Es ist trocken.“

Notruf: „Alles klar. Das ist nicht schlimm. Lassen sie uns zurück zum Baby gehen und gehen sie zum Licht, das aus dem Fenster kommt. (Pause) Wie heißen sie?“

Anna: „Anna.“

Notruf: „Hallo Anna. Ich bin Stefan.“

Anna: „Hallo Stefan.“

Notruf: „Sie haben das richtige getan, als sie heute hier angerufen haben. Ich schicke ihnen ein paar Leute, die ihnen heute helfen, ja? Und ich bleibe mit ihnen am Telefon bis sie da sind. Haben sie das verstanden?“

Anna: „Ich glaube, ja.“

Notruf: „Gut, Anna. Sehr gut. Anna, hast du heute schon was gegessen?“

Anna: „Ja schon.“

Notruf: „Was hast du heute gegessen, Anna?“

Anna: „Ich weiß nicht mehr so genau, ich glaube ich habe den Rest vom Müsli meines Mannes aus seiner Schüssel gekratzt…und ich hab noch eine Bockwurst im Kühlschrank gefunden.“

Notruf: „Ist das alles?“

Anna: „Ok, ich hab beim Stillen noch im Nutellaglas gelöffelt.“

Notruf: „Haben sie das Nutella mit Brot gegessen?“

Anna: „Ne, hat ja niemand zugeguckt und ich brauchte doch was Süßes!“

Notruf: „Also, keinen Teller oder so was?“

Anna: „Nein.“

Notruf: „Und war das jetzt alles was sie heute gegessen haben?“

Anna: „Also, ich erinnere mich noch an Käse. An viel Käse.“

Notruf: „Käsescheiben auf einem Brot oder Stückkäse?“

Anna: „Einfach Käse, und ein Stück weiche Gurke, und die restlichen Gummibärchen, und die Dose mit Kartoffelsalat, da war noch viel drin. Trauben auch!!“

Notruf: „Anna, du weißt, was du da aufzählst ist weder ein richtiges Frühstück noch Mittagessen.“

Anna: „Es ist ein Essen. Wenn es keine Regeln gibt ist es einfach ein Essen, Stefan!“

Notruf: „Anna, hast du an irgendeinem Punkt die Gummibärchen zusammen mit dem Kartoffelsalat im Mund gehabt?“

Anna: „Wahrscheinlich. Sorry.“

Notruf: „Ist schon gut. (Pause) Also, Anna. Deine Tochter ist gestillt und du hast sie heute gewickelt?“

Anna: „Ja. Sie ist so süß! Wenn sie schläft…(leises schluchzen)“

Notruf: „Okay, Anna. Bis die Hilfe bei dir ist, legst du dich jetzt einfach hin. Ist die Couch in der Nähe des Stubenwagens?“

Anna: „Ja. Aber wenn ich einschlafe und sie dann nicht mehr höre…“

Notruf: „Leg dich jetzt hin und leg den Hörer neben deinen Kopf. Ich weck dich, wenn sie schreit, versprochen.“

Anna: „Ich…ich habe ein Baby.“

Notruf: „Ja, schsch, Anna…Du bist eine gute Mutter.“

 

Wäre es nicht großartig, wenn es so einen Mütternotruf gäbe? Hilfen gibt es aber schon und darüber hab ich schon mal geschrieben.

Der Text ist angelehnt an Colin Nissans Text „I work from home“ im New Yorker.

Kategorie: Mamas Stories

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Leila schreibt als Münstermama seit 2014 über Familie, Food und Reisen. Als Gründerin des Münsteraner Bloggernetzwerks MünsterBLOGS vermittelt sie Kooperationen und organisiert regelmäßig Bloggerevents.

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