Mamas Stories
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#momsrock – Wie das Christkind zum Multi-Tasker wurde oder die Lossagung vom Schnuller

Lucie Marshall (Bloggerin und Autorin von Auf High Heels in den Kreißsaal) hat zu einer tollen Blogparade aufgerufen. Sie hat uns daran erinnert, dass wir Mütter doch sehr dazu neigen uns immer ein schlechtes Gewissen zu machen und an unserer Performance als Mutter zu zweifeln. Und diese Tatsache soll mit der Blogparade #momsrock ein wenig relativiert werden. Wir müssen uns und andere Mütter öfter loben und auch mal unsere guten Ideen, kreativen Lösungen und liebevollen Augenblicke in den Mittelpunkt stellen.

Meine grandiose Leistung zum Jahresabschluss war der Abschied vom Schnuller und darüber handelt also mein Beitrag zu dieser wundervollen Blogparade.

Schon vor Monaten habe ich angefangen mir Gedanken über den richtigen Zeitpunkt zu machen. Die Zahnärztin hatte uns gebeten den Nucki möglichst zum dritten Geburtstag loszuwerden. Bei vielen unserer Freunde und Bekannten kommt dann die Schnullerfee und tauscht den Schnuller heimlich gegen ein Geschenk aus. Da werden nicht selten ganze Fahrräder gegen das doofe Ding eingetauscht. Hätte ich für unsere Situation völlig übertrieben gefunden, vor allem weil er im Frühjahr definitiv noch kein Fahrrad mit Pedale fahren wird. Außerdem passiert bei uns im kommenden Frühjahr so viel. Der kleine Münsteraner hat seinen dritten Geburtstag und ein paar Wochen später ist schon der errechnete Geburtstermin für unser zweites Kind. Das wird ja für den Großen auch eine ganz schön gewaltige Umstellung, da möchte ich ihm nicht auch noch den Abschied vom Schnuller zumuten.

Nach großem Hin- und Herüberlegen war also klar: Wir müssen das während des Weihnachtsurlaubs machen! Wenn es uns Schlaf und Nerven kostet, dann besser nicht in einer Woche in der wir alle auch noch früh am nächsten Tag zur Arbeit oder in die Kita müssen.

Jetzt muss man so einem kleinen Kind gegenüber die Veränderung ja irgendwie begreiflich machen. Bereits Ende November habe ich angefangen mit ihm über Weihnachten zu sprechen und darüber wer das Christkind ist und wer das Jesusbaby ist und was wir da überhaupt alles feiern. Wir hatten ein paar schöne Bücher dazu und eine kleine Kinderkrippe mit der er dann immer wieder die Geschichte nachgespielt hat (Es war einmal in Bethlehem).

Irgendwann ist dem kleinen Münsteraner aufgefallen, dass das Jesuskind gar keinen Schnuller hat obwohl es ja ein Baby ist. Welch ein glücklicher Zufall und meine Gelegenheit!!!

Ich habe ihm dann erklärt, dass Maria und Josef ganz arme Leute waren und ja auch deswegen kein richtiges Haus hatten und sich vermutlich auch keinen Schnuller leisten konnten. Dann habe ich ihn gefragt, ob er nicht an Heilig Abend seinen eigenen Schnuller unter den Tannenbaum legen möchte, damit ihn dann das Christkind für das Jesusbaby mitnimmt. Er selbst ist ja schon groß und braucht ihn gar nicht mehr richtig.

Ein misstrauischer Blick und langes Nachdenken waren die Folge.

Ihr glaubt es vermutlich nicht – ich konnte meine Genialität und sein Mitleid für das Jesusbaby ja selbst kaum glauben – aber es hat funktioniert! Er war direkt einverstanden!

Nachdem wir den ganzen Dezember bei jeder Schnuller-Gelegenheit darüber geredet haben, wie das Christkind nicht nur die Geschenke bringt, sondern auch den Nucki mitnimmt, war es für den kleinen Münsteraner klipp und klar was passiert und was er machen will.

Aber irgendwas ist ja immer…er wurde krank! Er war richtig krank mit Fieber, Schnupfen, Halsweh und ganz viel Leid. Wir dachten schon, wir muten ihm zu viel zu, wenn wir das jetzt mit dem Schnuller trotzdem durchziehen. Er tat uns so leid! Vor allem der Liebste zweifelte jetzt an dieser Aktion und wollte ihm nicht noch mehr zumuten. Ein paar Mal war er kurz davor aufzugeben und ich musste an dem Tag nicht nur die Geschichte vor dem kleinen Münsteraner aufrecht erhalten, sondern auch noch den Liebsten davon überzeugen, dass es zumindest einen Versuch wert ist.

Für den kleinen Mann gab es gar keinen Zweifel. Er nahm Heilig Abend wie selbstverständlich seinen heißgeliebten Schnuller und warf ihn mit Schmackes unter den Tannenbaum!

Nach dem Essen und den Geschenken vom Christkind war es dann Zeit fürs Bett und als wir ihn hinlegten kam natürlich der gefürchtete Moment:

„Ich will meinen Nucki haben!“

Ich hatte das Ding schon gespült in meiner Tasche, um ihn im Notfall doch nochmal herzaubern zu können. Der Liebste hatte mich auch zum Zweifeln gebracht und ich wollte auf keinen Fall die harte herzlose Mutter sein, die ihrem Kind im Krankheitsfall die Einschlafhilfe verweigert.

Aber einen klitzekleinen Versuch war es noch wert:

„Ich weiß mein Liebling, du vermisst deinen Schnuller. Aber du hast den doch für das Christkind unter den Tannenbaum gelegt und jetzt ist er schon weg. Das Christkind hat ihn doch mitgenommen, weißt du noch?“

Er überlegte eine Weile…für mich vergingen gefühlt Stunden…er seufzte dann tief und sagte:

„Dann aber zwei Lieder, Mama!“

Ich war so erleichtert, dass ich ihm noch eine halbe Stunde lang alle Lieder aus meinem Repertoire vorgesungen habe! Und ich hatte dabei Tränchen in den Augen, vor lauter Stolz auf meinen kleinen tapferen Jungen, der dem Jesusbaby seinen Schnuller schenkt.

Als ich zum Liebsten zurück ins Wohnzimmer kam und man keinen Mucks durch das Babyphone hören konnte, fühlte es sich fast so an, als wenn Fanfaren für mich aufspielen. Ich, die Heldin des Kinderzimmers, hatte mithilfe des Multi-Tasking fähigen Christkinds, dem Schnuller losgesagt! Der Mann huldigte mir standesgemäß 😉

Das Kind schlief und es schlief mit nur zwei kurzen Unterbrechungen, die mehr dem Schnupfen als dem Schnuller geschuldet waren, die ganze Nacht durch! Und er schlief die nächste Mittagspause und seitdem schon 6 Nächte und 6 Mittagsschläfchen auch ohne irgendeine Nuckelhilfe! Er nahm auch nicht seinen Daumen als Ersatz oder bekam sonst irgendetwas dafür – außer Lob natürlich. Wir haben ihn gefeiert und über den Klee gelobt und er ist mit jedem Mal ein Stückchen gewachsen und stolzer geworden. Der kleine Münsteraner hat seit Heilig Abend nur zwei weitere Male nach dem Schnuller gefragt. Jedes Mal, wenn wir ihn daran erinnerten, dass das Christkind den mitgenommen hat, hat er genickt und sich dann wieder spannenderen Themen zugewendet. Keine Diskussion, keine Reue.

Großartig, oder!? So problemlos hatten wir uns das nicht vorgestellt und ich bin wirklich extrem stolz auf meinen kleinen Schatz. Aber ich bin auch extrem stolz auf meine Idee und dass ich es geschafft habe, die Sache durchzuziehen und auf seine Stärke zu vertrauen. (Ich hör schon wieder die Fanfaren…)

Ein tolles Gefühl! Das haben wir richtig gut gemacht!

Wir werden mit einem guten Gefühl heute Abend das alte Jahr verabschieden. Ich wünsche euch allen einen mindestens ebenso glücklichen Abschluss des Jahres und einen wundervollen „Neuanfang“! Kommt gesund und fröhlich rein!

Bis nächstes Jahr, Eure Münstermama

3 Kommentare

  1. Was für eine herrliche Weihnachtsgeschichte! Ich habe zum Jahresende mal so mein Portemonnaie aufgeräumt (ja, es ist ziemlich groß, da lohnt sich das) … und was finde ich? Zwei gezeichnete Schnullis. Die hatte damals die Zahnfee auf die Pakete geklebt, die sie nachts zum Austausch für die Schnuller im Garten abgestellt hat. Gleich wieder ‚rein damit ins Portemonnaie und lasst bloß nicht meine Teenie-Tochter hören, was ich hier gerade erzähle …

    Alles Gute und ganz viel Glück im Neuen Jahr 2015 wünsch‘ ich Dir & Deiner Familie!
    herzlichst soulsister

  2. Wie super! Glückwunsch zum schnullerfreien „Großen“ – das ist wirklich total herzallerliebst! 🙂

  3. AuchEineMama sagt

    Ich ziehe meinen Hut! Eine tolle Geschichte und ein großartiges Ergebnis, v.a. noch bevor der kleine Münsteraner zum großen Bruder wird! Mein Großer ist nun seit einem viertel Jahr großer Bruder und ans Entschnullern ist so überhaupt nicht zu denken 🙁 Viel erstaunlicher ist, dass er seit zwei Wochen seine Trockenphase gestartet hat… Verstehe da einer die Zwerge… Dir ein gutes neues Jahr und viel, viel Kraft für die künftigen schönen Momente zu viert!

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