Mamas Stories
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Trauer um die eigenen Eltern – Auch nach 6 Jahren noch aktuell

Vor etwas weniger als 5 Jahren schrieb ich diesen Text auf dem alten Blog. Die Veränderungen von denen ich damals schrieb, nahmen kein gutes Ende. Der Kontakt zu meinen Vater starb im Grunde mit ihr und noch heute trauere ich um meine Mutter genauso, wie um das verlorene Bild von meiner heilen Welt in unserer Kindheit.

Die Erinnerungen und Gefühle sind jedes Jahr, jeden Tag noch genauso intensiv wie damals. Wann diese heilende Zeit kommt, weiß ich noch nicht. Aber ich bete, dass es meinen Jungs  eines Tages leichter fällt ohne mich zu leben.

Weil es noch genauso schmerzt ohne Dich zu sein…

Ob es der Herbst ist? Die dunkleren Tage und die langsam hineinkriechende Kälte haben mir immer schon zugesetzt. Es wird in dieser Jahreshälfte viel intensiver gefühlt, meine ich. Die Leichtigkeit des Sommer’s schwindet langsam und an die Kälte muss ich mich gewöhnen.

Dieses Jahr wartet meine Familie zudem auf zukünftige Veränderungen. Veränderungen für die ich nicht bereit zu sein scheine obwohl es mich nur sekundär betrifft. Die letzten Monate haben für mich viele Entwicklungen gebracht und doch ist in einem wichtigen Teil meines Lebens die Zeit stehen geblieben. Das macht mir dieser unruhig einziehende Herbst bewusst. Die Erinnerungen an die letzten Monate und Tage mit Ihr überschwemmen mich.

Genau in diesem Moment des Schmerzes, in dem es so wichtig war loszulassen, hat meine Welt irgendwie aufgehört sich zu drehen. In Momenten der Veränderung merke ich immer deutlicher, dass ein Ende der Trauer nicht möglich ist. Für mich zumindest, ist es nicht möglich „drüber hinwegzukommen“, es „hinter mir zu lassen“. Auch wenn es viele Augenblicke voller Glück und Leben gibt…die Trauer wird nie enden. In meinem Leben hat Sie keinen Teil gespielt, Sie war mein Leben. Nicht im Sinne von Erfüllung und Zweck. Sie war meine Landkarte, meine moralische Instanz. Sie hat mir das Leben geschenkt, mehr als einmal. Zu begreifen, dass es jetzt ohne Sie weitergeht…weitergehen muss…unbegreiflich. Das Sie nicht wiederkommen wird, egal wie lange ich auch warte, dass geht mir nicht in den Kopf.

Wird dieses Gefühl, nicht mehr richtig durchatmen zu können, jemals wieder verschwinden? Die Intensität des Verlustschmerzes jedenfalls lässt nicht nach.

Was ich gelernt habe ist desillusionierend. Tränen versiegen nicht. Wut verschwindet nicht, sie sucht sich neue Ziele und ruht zwischendurch um Kraft zu tanken. Und dann ist die Wut wieder da und muss von aufs neue kontrolliert und gemäßigt werden.

Aber ich habe auch erfahren: Gefühle sind rational steuerbar und Glück und Freude sind immer möglich. Ich schaue mein Kind an und kann nicht verstehen wie es möglich ist zur gleichen Zeit pures Glück und tiefste Trauer zu empfinden.

Aber fühlen kann ich niemals wieder so wie damals. Als Sie noch lebte, lachte, sang und weinte.Als meine Sinne durch Ihre Aura an Kraft gewannen. Dumpf sind die Gefühle, die nicht mehr mit Ihr teilbar sind.

TrauerArbeit bedeutet für mich nicht mehr nur zu lernen, ohne Sie im Alltag weiterzuleben. Es bedeutet, mit den „globalen“ Konsequenzen einigermaßen klar zu kommen. Mit der Art und Geschwindigkeit der Trauer anderer zurecht zu kommen und es zu respektieren, wenn sie weitergehen.

TrauerArbeit bedeutet zu akzeptieren, dass andere ein Recht auf Leben haben obwohl es Ihr Leben nicht mehr gibt. Nicht nach dem Sinn zu suchen auch wenn Trost, ohne einen Sinn in dem Verlust zu sehen, eine sehr geringe Halbwertzeit hat. Sich nicht zu belügen, sondern auch mal mit dem Schicksal zu hadern. Der Verzweiflung Raum zu geben, ohne darin zu ertrinken.

Für mich ist es wichtiger geworden Gott zu verzeihen und ihm für die mit Ihr gelebte Liebe zu danken.

Doch…soweit bin ich noch nicht. Werde ich lange nicht sein. Das war mir nicht bewußt. Die „Zeit“ in dem Satz „Zeit heilt alle Wunden“ ist etwas sehr abstraktes, dehnbares und unwahrscheinliches geworden.
Aber ich will die Wärme und Kraft an mein Kind weitergeben, die Sie mir geschenkt hat. Die ich immer noch deutlich fühle, wie man die Wärme des Feuers fühlt auch nachdem es schon erloschen ist. Also werde ich die nahenden Veränderungen dulden und lernen, dass es so richtig ist wie es ist.

Die Trauer ist meine ständige Begleiterin geworden. Ich darf nicht aufhören weiter zu arbeiten. Jeden Tag.

Bis ich wieder bei Ihr sein darf.

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