Mamas Stories
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Zeitmanagement für Mütter – Supermami oder Mimose, oder wie man lernt sich selbst richtig einzuschätzen

In meiner Themenreihe Zeitmanagement für Mütter habe ich euch ja schon von meinen Zielen und von meinem bösen Zeitdieb erzählt. Heute geht es darum, welche Zeiten ich überhaupt nutzen und beeinflussen kann.

Worum geht’s?

Wenn man seine Zeit besser nutzen will, muss man nämlich wissen, wann man überhaupt Zeit hat! So einfach wie das erstmal klingt ist das ganz und gar nicht. Dabei gilt es gleich mehrere Aspekte zu bedenken. Freie Zeitfenster zu erkennen ist eine Sache aber nicht die alles entscheidende, denn dann könnten wir ja wunderbar die ganze Nacht durchrödeln. Es geht auch darum, zu überdenken, wann einem überhaupt Kraftreserven zur Verfügung stehen. Nach einem Tag mit Kind und Arbeit ist da bei mir nachts nämlich gar nichts mehr zu holen…

In der Elternzeit ist Zeit relativ

Als mein Sohn geboren wurde und ich noch in der Elternzeit zuhause war, orientierten sich meine Zeiten stark an seinen wechselnden Schlaf- und Spielzeiten. Er bestimmte also meinen Zeitplan und ich fügte mich diesem Diktat sehr gerne. Dafür war ich ja da. Wenn er schlief, dann schlief auch ich oder ich machte etwas mit deutlichem Erholungsfaktor…essen, lesen, fernsehen, baden. Wenn er wach und zufrieden auf der Decke lag und seine Umgebung erforschte konnte ich im Haushalt werkeln. Und wenn er Hunger/Durst/eine volle Windel oder sonst irgendeinen Pups quer hatte, dann war meine komplette Aufmerksamkeit bei ihm und alles andere egal. So vergingen die Monate und die Staubmäuse wuchsen. Auch wenn wir mit der Zeit einen immer „normaleren“ Tagesablauf hinbastelten, so war es mir doch nie wirklich wichtig zu bestimmten Zeiten etwas Bestimmtes zu schaffen. Außer vielleicht rechtzeitig bei der Krabbelgruppe aufzutauchen oder die Freundin nicht im Café warten zu lassen.

Mit Kind und Job ist alles anders

Aber jetzt sind wir durch Arbeit und Kinderbetreuung deutlich fremdbestimmter und haben einen ganz anderen Ablauf. Wenn ich Montagmorgens den kleinen Münsteraner in die Betreuung bringe und dann weiter ins Büro fahre, dann brauche ich einen Überblick. Es kommen Anfragen von allen Seiten und es hilft mir zu wissen, ob und wie und wann meine Woche noch Reserven bietet. Gerade für spontane Aktionen ist es wichtig zu wissen, welche Zeiten zur freien Verfügung stehen. Mir genau bewusst zu machen, welchen Preis ich dafür zahle, ist mindestens ebenso wichtig. Natürlich meine ich damit keinen monetären Preis, sondern die viel wertvollere Mütterwährung: Energie!

Und jetzt Butter bei die Fische. Wie bekommt man den nun diesen Überblick?!

Um zu sehen wie es mit meiner Zeit so aussieht habe ich mir mal ein paar Kreuzchen in einer Tabelle gemacht. Links die Uhrzeit und die Kreuzchen in der jeweiligen Kategorie, die die Stunde dominiert. Wie ihr seht: Ich bin nur bedingt Mulit-Tasking fähig.

Ich bin meist zwischen 6 Uhr und 24 Uhr wach. Selten länger und nur in Krankheitsfällen des Kindes früher. Am Wochenende lässt uns das Kind auch gerne bis 8 Uhr schlafen, das finde ich wirklich fair von ihm.

So einfach sieht mein Tag aus. Bis um 20/21 Uhr teile ich die Zeit für mich immer mit Kind oder Haushalt, ich denke das geht den meisten so. Ich der Zeile 12 Uhr, stand bis vor kurzem auch ein Kreuzchen bei Arbeit, aber das habe ich bewusst eliminiert, denn ich brauche in meiner Pause Zeit für mich. Ansonsten habe ich, bis das Kind vom Liebsten um 19 Uhr ins Bett gebracht wird, keine Sekunde nur für mich und das ist für meine Stimmung nicht gut. Diesen Luxus der freien Mittagspause von +/- 30 Minuten gönne ich mir jetzt ganz konsequent obwohl ich auch bei 30 Wochenstunden einfach täglich 6 Stunden durcharbeiten könnte, um dann früher nach Hause zu fahren. Aber das habe ich ausprobiert und muss gestehen, das schaffe ich nicht…mehr dazu später. Jedenfalls achte ich jetzt sehr penibel auf meine Mittagspause. Ich verbringe sie gerne mit Kollegen oder Freunden, aber sehr ungern mit Erledigungen in der Stadt!

Wie ihr seht bin ich in einer sehr glücklichen Lage. Der Liebste springt spätestens um 19 Uhr ein und bringt den kleinen Münsteraner ins Bett. Außerdem haben wir bisher nur ein Kind. Wenn es mir nicht so gut geht oder er einfach Zeit und Lust zur Verfügung hat, ist der Mann auch schon viel früher dabei und dann können wir bereits am Nachmittag den Kreuzchen beim Haushalt mehr Aufmerksamkeit widmen und schieben nicht alles auf den Abend. Also, alles in allem habe ich schon relativ viel Zeit für mich und meine persönliche Freiheit.

Diese Tabelle ist aber nicht vollständig, denn sie zeigt nicht, wie es mir zu diesen freien Uhrzeiten geht. Das ist ganz entscheidend, denn was nützt mir alle Ruhe und Ungestörtheit der Welt, wenn ich müde bin und keinen Finger rühren will? Deswegen habe ich noch eine zweite Tabelle gezeichnet. Im Grunde sieht sie so aus, wie die erste Tabelle, nur das in den Spalten jetzt nicht die Kategorien, sondern mein Energielevel erfasst ist.

Wenn man davon ausgeht, dass ich durchschnittlich 100 % Leistung erbringen kann, sieht meine Tagestabelle also so aus. Als Kurve sieht man es noch deutlicher.

Von 0-250 geht mein Energielevel, wobei die normale Leistungsfähigkeit bei 100 % dargestellt werden soll. Ich vergleiche das gerne mit dem Level beim Autofahren. Eine gesunde Konzentration und Reaktionsfähigkeit ohne große Anstrengung.

Morgens brauche ich etwas Anlaufzeit, doch dann lege ich so richtig los. Diese Zeit nutze ich auch gerne an arbeitsfreien Tagen für herausfordernde Tätigkeiten. Gegen 10 Uhr muss ich aber an die frische Luft, egal was ich mache, denn da ist eindeutig mein Tief am Vormittag. Das hält zwar keine Stunde, aber bis ich dann wieder richtig drin bin in der Arbeit, vergeht schon einige Zeit. Ein paar Tage lang musste ich mir diese Kreuzchen machen, damit ich diese Tiefs einsehe und nicht mehr leugne.

Das ist sehr ernüchternd, sich das so vor Augen zu führen. Zumindest hat mich das sehr getroffen, denn es sieht so aus, als wenn man mit mir ab spätestens 16 Uhr nichts mehr anfangen kann. Doch wenn man genauer darüber nachdenkt, dann ist es gut so wie es ist. Mein geistiges Hochlevel erreiche ich im Büro und da zählt es auch. Wenn ich mit meinem Kind zusammen bin, ist das ja keine Raketenwissenschaft (auch im Büro nicht, aber ihr versteht schon). Da kann ich den Kopf ein wenig runterfahren und die Zeit mit meinem Kind genießen.

Und was hab ich nun davon?

Wenn ich dann aber die erste Tabelle auf meine Woche anwende, dann wird schnell klar, warum ich an manchen Tagen mega-gestresst bin. Da fallen nämlich regelmäßig Termine in mein Nachmittagstief und ich bin schlicht überfordert. Wenn ich versuche diese Zeiten ruhiger zu gestalten bzw. mir vorher und nachher mehr Pausenzeiten zu gönnen, dann lassen sich auch diese Tage ganz gut bewältigen. Aber diesen Überblick muss man sich erstmal schaffen. Und man muss ehrlich zu sich selbst sein, was wohl das Schwierigste für mich an dieser Übung war.

Natürlich war mir auch vor diesen Tabellen klar, wann ich grundsätzlich „Zeit“ habe, aber jetzt sehe ich ganz deutlich ob und wann ich diese Zeiten nutzen kann. Was ich dafür an Energiereserven einsetze ist ein ganz entscheidender Punkt, denn meine Kraftreserven sind begrenzt!

Habt ihr auch so Probleme eure Kraft richtig einzuschätzen, wie ich?

Eure Münstermama

 

 

 

1 Kommentare

  1. Sehr spannend! So spezifisch habe ich es noch nicht versucht einzuschätzen. Aber ich merke auch ganz deutlich meine Hoch- und Tiefzeiten am Tag (direkt nach der Mittagspause geht erst mal gar nichts zum Beispiel, dafür bin ich immer so von 15 bis 17 Uhr super dabei, erstaunlicherweise)! So einen ganz genauen Tagesplan habe ich aber auch vielleicht, da noch kinderlos, nicht unbedingt nötig.

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