Mamas Stories

Pause von Social Media brauchst du nicht

Ein Plädoyer für nachhaltigere Social Media Nutzung

Irgendwie trendy, gerade jetzt kurz vor den Feiertagen sich groß in die „digitale Fastenzeit“ zu verabschieden. Ich beobachte jedes Jahr, wie um mich rum viele mit „Goodbye“-Posts und kurz darauffolgendem „da bin ich wieder“ eine Auszeit von dem achsogroßen Social Media Overload nehmen.  Manche sehen einen Nutzen darin die Apps komplett zu löschen oder sogar ihr Handy für zwei Wochen in die Schublade zu legen. Voll ok, aber verbessert das irgendwas nachhaltig?

Social Media neu denken

Brauchen wir wirklich eine Pause, oder eher eine Rundum-Erneuerung?

Mir wurde zu Beginn diesen Jahres klar, dass ich viel zu vielen Accounts folgte von Menschen, denen ich mich verpflichtet fühlte. Die Gründe waren sehr verschieden und die Art und Weise, in denen mich ihr Content nervte ebenfalls.

Warum? Weil wir uns alle einfach verpflichtet fühlen, bestimmten Menschen auf Social Media zu folgen, bzw. mit ihnen „befreundet“ zu sein. Das sind meist genau die Leute, die regelmäßiges Augenrollen auslösen und uns laut auflachen lassen (nicht das gute Lachen).

So will ich gar nicht sein

Wir fühlen uns verpflichtet bestimmten journalistischen Accounts zu folgen, die immer gleich miese, traurige und entmutigende Schlagzeilen schreiben. Wir fühlen uns auf schräge Art überlegen, wenn wir „Influencern“ folgen, die ihr Leben weitaus besser im Griff zu haben scheinen als wir.

Das geht so nicht weiter

Social Media Clean-up

Nachdem ich im Krankenhaus eine Zwangspause einlegte, entschied ich mich zu Beginn des Jahres, meinen Feed komplett aufzuräumen. Ich brauchte einen nachhaltig besseren Weg mit Social Media umzugehen, ohne auf die wertvollen Beiträge und Inhalte verzichten zu müssen.

Ich bin wirklich alle abonnierten Accounts auf jeder Plattform durchgegangen und fragte mich bei jedem einzelnen ganz Marie Kondo-mäßig: Will ich diese Inhalte weiter in meinem Leben?

Kuh blickt hinter das Chaos
Durchblick behalten, auch auf Social Media!

Was passiert, wenn wir all das raus schmeißen aus unseren Feeds, das uns runterzieht? Was passiert, wenn wir anfangen Social Media richtig bewusst für uns zu gestalten?

Pro-Tipp: Einfach mal in allen Apps die Push-Benachrichtigungen ausschalten und nur noch informiert werden, wenn man sich bewusst dafür entscheidet!

Entscheidungen, bewusst dagegen

Lasst uns die „Freunde“ löschen, die wir eigentlich gar nicht leiden können. Lasst uns den Accounts nicht mehr folgen, dessen Beiträge uns jedes Mal schlechte Stimmung machen. Auch die alten Kontakte aus der Schulzeit, die wir seit 20 Jahren gar nicht mehr richtig kennen, braucht keiner. Und vor allem, lasst uns endlich den Nachrichtenquellen entfolgen, die all den braunen, querdenkenden Stimmen immer wieder eine viel zu große Bühne bieten.

Wir müssen auch keine Familienmitglieder oder Kollegen in unserer Freundesliste belassen, die extreme politische Ansichten vertreten. Den erhöhten Blutdruck kann man sich gezielter woanders holen, wenn man ihn denn überhaupt mal braucht.

Und diesem einen Influencer, der durch seine Art aus uns überheblich spöttelnde Lästerer macht, dem entfolgen wir besser auch.

Social Media, bewusst besser

Aber was kommt an die Stelle all dieser gelöschten Accounts?

Erstmal ganz automatisch: Mehr Sichtbarkeit für die Themen und Beiträge, die uns wirklich interessieren. Und für mich eindeutig mehr Zeit diese mit meinen Kommentaren, Fragen und Likes zu würdigen.

Ich möchte Freunden folgen, die mir mit ihren Beiträgen ein Stück Leben schenken. Menschen über deren Stimme und Inspiration, Witz oder auch Kritik ich etwas lerne. Menschen, die motivieren und neue Ideen in mir wecken. Ich will nur noch Leuten folgen, die meinen Kopf und mein Herz mit ihren Inhalten nähren. Mit jemandem verbunden sein, soll wieder bedeuten, dass eine echte Verbindung besteht.

Die Essenz von Social Media

Wertvolle Inhalte, die für mich persönlich relevant sind. Keine Inhalte, die Stress oder Belastung oder Frust verursachen. Damit sage ich ausdrücklich nicht, dass ich Accounts nicht mag, in denen mal gejammert wird oder in denen schwierige gesellschaftspolitische Themen aufgegriffen werden. Ganz im Gegenteil, Relevanz hat für mich keine Kumbaya-Verklärtheit. Es gibt aber den klaren Unterschied zwischen konstruktiv und destruktiv.

Unaufgeräumte Küche
Real life, ohne ständiges Mimimi

Ich folge nur noch echten Menschen, keinen Idealbildern oder Witzfiguren. Ich abonniere nur die News von Magazinen und Unternehmen, deren Werte ich teile, ganz konsequent.

Ich gebe meine Aufmerksamkeit bewusst denen, die sich auch mal ungeschminkt vor die Kamera stellen und Themen ansprechen, die unbequem sein können.

Ich mag auch Menschen, die sagen können „ich bin so dankbar für dieses Leben, aber es ist einfach unglaublich hart gerade“ ohne sich in Selbstmitleid zu ertränken.

Ich möchte auf Social Media das wahre Leben sehen, mit ups and downs ohne einseitigen Fokus auf rein strategisch-klicksteigernde Inhalte.

The Influencer who influenced me got influenced by his own influences.

Wir müssen uns unserer eigenen Intention auf Social Media Plattformen bewusst sein. Schnell verliert man sich in der Erstellung von Beiträgen. Wir vergessen, wie sehr wir von anderen beeinflusst werden.

Wodurch wir uns beeinflussen lassen, liegt ganz bei uns.

Weniger Verpflichtung, mehr Intention

Ja, Social Media kann stressig und unglaublich unrealistisch sein. Doch wer zwingt uns denn, diesen Stressoren unsere Aufmerksamkeit zu schenken? Niemand. Wir entscheiden allein und jeder für sich persönlich, was aus dem riesigen Pool von Inhalten sehenswert ist.

Social Media Qual der Wahl im Supermarkt
Wähle deine Inhalte weise.

Social Media – egal ob Facebook, Insta, Twitter, Pinterest oder TikTok – ist das was wir draus machen.

Aufräumen muss man – wie in der Küche – auch auf Social Media immer wieder. Am besten entwickelt sich eine Routine, wenn man ihr einen festen, wiederkehrenden Zeitraum zuteilt. Ich werde in 2021 mit frisch aufgeräumten Accounts starten.

Wann räumst du auf?


Weil ich dabei so herrlich gelacht habe, zum Abschluss des Blogjahres noch ein kleiner, amüsanter Buchtipp: Dann bleiben wir eben zu Hause! von Renate Bergmann – der Online-Omi.

Kategorie: Mamas Stories

von

Leila schreibt seit 2014 über Familie, Food und Reisen hier auf Münstermama, und als Kolumnistin der MZ. Als Gründerin des Münsteraner Bloggernetzwerks MünsterBLOGS vermittelt sie Kooperationen und organisiert regelmäßig Bloggerevents.