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Erziehung darf keine Glückssache sein

Von den vielen Lehrersprüchen, die ich selber im Laufe der Jahre als Schüler hörte, ist ein Spruch selbst nach über 20 Jahren besonders in Erinnerung geblieben: “Gute Erziehung ist Glückssache.“ Ein Lehrer sprach ihn immer dann kopfschüttelnd aus, wenn wir Sechst- oder Siebtklässler uns nicht angemessen benahmen. Ich gebe zu, ich erinnere mich vor allem dann an diesen oberschlauen Spruch, wenn sich Kinder – wohlgemerkt nicht die eigenen – in meinen Augen schlecht benehmen. Sind diese Kinder wirklich Opfer einer schlechten Erziehung? Erziehen diese Eltern ihre Kinder falsch, womöglich gar nicht? Oder störe ich mich daran, dass andere nicht meine eigenen Erziehungsvorstellungen umsetzen? Die Münstermama dachte hier schon mal über eine ähnliche Frage nach. Giraffe oder Wolf? Ein Blick in die pädagogische Fachliteratur zeigt, dass es eine Vielzahl von Erziehungsstilen gibt. Teilweise mit konkurrierenden Auffassungen und Idealen. Eine ganze Reihe an Tieren müssen mit ihren Eigenschaften als Leitbild für die richtige Erziehung herhalten. Zum Beispiel der Wolf und der Pinguin bei Jesper Juul oder die Giraffe und der Wolf bei Marshall B. Rosenberg. Juul sieht …

Wie ich mich an die wichtigste Erziehungsaufgabe erinnerte

„Hör auf zu weinen, du siehst so hässlich aus, wenn du weinst!“ „Was soll das Brüllen jetzt? Wir haben doch gesagt, es gibt kein Eis.“ Solche und ähnliche Sätze habe ich als Kind häufig gehört. Es war nicht angebracht die Wut zuzulassen und es war erst recht nicht angebracht anstrengend oder auffällig zu sein. Natürlich haben meine Eltern diese Sätze nicht gesagt, weil sie mir bewusst schaden wollten. Ganz im Gegenteil! Sie waren selbst überfordert in diesen Situationen und konnten damit nicht anders umgehen. Vielleicht dachten sie auch, sie bringen mir so gesellschaftskonformes Verhalten bei oder es war ihnen schlicht peinlich. Ich kann nur spekulieren. Am Sonntag waren wir mit den Kindern am Aasee und obwohl wir es vorher besprochen hatten, war der kleine Münsteraner tieftraurig, dass wir – am Ende eines aufregenden und anstrengenden Tages – kein Tretboot mieten wollten. Er weinte bitterliche Tränen und mir hat es fast das Herz zerrissen und gleichzeitig hat mich die Wut gepackt. Aus einem Automatismus heraus warf ich ihm vor: „Warum machst du jetzt so ein Theater, …

Warum meine Kinder nicht leiden, wenn sie bei gewissen Anlässen leise sind – Stillsein als Chance

Vor kurzem waren wir mit beiden Kindern bei einer Feier. Während das Münsterbaby auf dem Arm meines Liebsten selig schlummerte, saß der kleine Münsteraner mit mir eine Reihe dahinter. Er saß genau zwischen mir und einer guten Freundin. Unsere Kinder waren nicht die einzigen Kinder bei dieser Feier und alle anwesenden Kinder – egal welchen Alters – kamen gut mit der Situation klar. Während des offiziellen Teils der Feier war der kleine Münsteraner wirklich lieb. Er schaute sich interessiert um, stellte hin und wieder leise Fragen und wenn er Bewegungsdrang verspürte stand er auf und lehnte sich an meine Beide oder balancierte auf meinen Füßen. Die Reden zogen sich ein wenig und der kleine Münsteraner schweifte mit seiner Aufmerksamkeit natürlich ab. Er spielte ruhig mit seinem Bär, mit meinen Händen oder mit den ausliegenden Zetteln. Er nahm mit anderen Gästen Blickkontakt auf, lächelte sie an und versteckte sich hinter mir. In meinen Augen ganz normal. Die Freundin, die neben uns saß fing immer wieder an mit ihm rumzualbern. Wenn es zu laut zu werden drohte, …