Mamas Stories
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Wie ich mich an die wichtigste Erziehungsaufgabe erinnerte

„Hör auf zu weinen, du siehst so hässlich aus, wenn du weinst!“

„Was soll das Brüllen jetzt? Wir haben doch gesagt, es gibt kein Eis.“

Solche und ähnliche Sätze habe ich als Kind häufig gehört. Es war nicht angebracht die Wut zuzulassen und es war erst recht nicht angebracht anstrengend oder auffällig zu sein.

Natürlich haben meine Eltern diese Sätze nicht gesagt, weil sie mir bewusst schaden wollten. Ganz im Gegenteil! Sie waren selbst überfordert in diesen Situationen und konnten damit nicht anders umgehen. Vielleicht dachten sie auch, sie bringen mir so gesellschaftskonformes Verhalten bei oder es war ihnen schlicht peinlich. Ich kann nur spekulieren.

Am Sonntag waren wir mit den Kindern am Aasee und obwohl wir es vorher besprochen hatten, war der kleine Münsteraner tieftraurig, dass wir – am Ende eines aufregenden und anstrengenden Tages – kein Tretboot mieten wollten. Er weinte bitterliche Tränen und mir hat es fast das Herz zerrissen und gleichzeitig hat mich die Wut gepackt. Aus einem Automatismus heraus warf ich ihm vor:

„Warum machst du jetzt so ein Theater, wir haben es doch besprochen?!“

Ein Satz der mich selbst in dem Moment der Aussprache verletzte. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie er bei ihm ankam. Sicherlich war er aber nicht hilfreich. Zum Glück war der Münsterpapa so aufmerksam und hat die Situation für den kleinen Münsteraner gut gerettet. Er hat ihn getröstet ohne seinem Leid zu viel Raum zu geben und er hat ihm so geholfen, wieder aus der miesen Stimmung herauszufinden.

Ich habe währenddessen mit mir selbst zu kämpfen gehabt.

Wieso passiert mir das? Habe ich nicht selbst Jahre und viel Kraft gebraucht um diese Sätze wieder aus meinem Kopf zu bekommen? Warum mache ich es meinem Kind so schwer obwohl ich weiß, dass es wichtig ist Gefühle zuzulassen? Noch immer kann ich Streit und Disharmonie kaum aushalten.

Justin Baldoni hat vor einiger Zeit einen viralen Beitrag gehabt, den auch ich auf unserer Facebookseite geteilt habe. Er zeigte einen Vater, wie er ruhig und besonnen den Wutanfall des Kindes mitten im Supermarkt aushielt. Er war einfach ruhig geblieben und hat seinem Kind beigestanden. Es hat mich, wie viele von euch, sehr berührt.

Dann postete Justin heute wiederholt ein Bild von einem Erwachsenen, der dem Wutanfall des Kindes standhielt. Dieses Mal war es allerdings seine schwangere Frau. Ein gewohntes Bild und aus diesem Grund wird es wohl nicht viral gehen – leider. Von uns Frauen wird es nämlich einfach erwartet immer geduldig und besonnen auf unsere Kinder zu reagieren, während die Männer dafür Applaus ernten. Das kritisiert Justin und er hat ja auch nicht ganz Unrecht.

Ich finde es unglaublich wichtig und richtig, dass Justin Baldoni auch diese Seite zeigt. Er propagiert seit Monaten unter dem Hashtag #RedefineMasculinity die „neue“ Seite der Männer…weniger Macho-Macho, mehr Love & Respect um es kurz zu fassen. Dazu gehört auch den Respekt und die Liebe zu seiner Frau und dem was sie als Mutter leistet. Und damit erinnerte er auch mich daran, was ich so leiste. Dass ich auch oft gut und richtig reagiere, ohne es bewusst wahrzunehmen. Man muss sich nicht für jeden Handschlag feiern und auch mein Mann muss mich nicht für jedes gute Wort an meine Kinder loben…doch gerade wenn man sich als schlechteste Mutter der Welt fühlt, ist es wichtig sich daran zu erinnern was alles gut läuft!

Ich glaube meine wichtigste und gleichzeitig schwierigste Erziehungsaufgabe als Mutter ist es, den Kindern einen guten Umgang mit allen Schattierungen ihrer Gefühlswelt zu vermitteln.

Egal welche Gefühle meine Kinder empfinden und egal wie sie sie äußern, ich möchte ihnen zeigen, dass es richtig und wichtig ist den Umgang damit zu üben. Ich möchte, dass sie wissen, dass die Reaktion ihrer Umwelt dabei eine untergeordnete Rolle spielt und in erster Linie ihre mentale Gesundheit im Vordergrund steht.

Meine Söhne sollen lernen, echte Gefühle zuzulassen. Erst dann können sie sie auch erkennen. Ich möchte ihnen einen guten und gesunden Weg zum Umgang mit diesen Gefühlen vorleben und dazu gehört auch offen zu zeigen, wenn es mir nicht gut geht oder mich etwas belastet. Genauso wie sie sehen sollen, dass ich mich nicht in diesen Gefühlen verrenne, sondern aus eigener Kraft und aus der Freude am Leben meinen Weg wiederfinde. Nicht gezwungen oder übertrieben deutlich…einfach so wie ich bin und sein kann.

Zum Glück liegt da „die Last“ des positiven Vorbilds nicht allein bei mir. Der Münsterpapa hat ganz andere Schwachpunkte und Bewältigungsstrategien. Ich bin sicher, dass die Münsterjungs gerade auch von diesen Unterschieden profitieren.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir erzählt, wie es euch bei dem Thema und den Bildern von Justin Baldoni geht.

1 Kommentare

  1. Ich kenne solche Situationen mit meinem knapp Zweijährigen auch zu gut. Grundsätzlich bin auch die Ruhe selbst. Letztens im Supermarkt hat er allerdings eine richtig schlimme Show abgezogen. Nichts half, keine Ablenkung möglich. Als ich sauer wurde hat er meine Gefühle sofort gespiegelt. Das war für mich ein schlimmes Gefühl.
    Männer die ebenfalls ganz entspannt sind, sind super. Ich kenne leider viele die das nicht so gut abkönnen. Die dann auch schneller genervt sind und so ein Verhalten persönlich nehmen.
    Im Endeffekt kann man solchen Situationen nie aus dem Weg gehen. Aber irgendwie schweisst sowas auch zusammen. Vor allem hat man aber teilweise lustige Geschichten die man erzählen kann. Lustig, im nachhinein, nicht wenn es passiert ;-).
    LG und einen entspannten Abend

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